Original: JFET BIASING TUTORIAL BY W7ZOI
Diese Anleitung ist copyright © 2000-2001 von Wes Hayward, W7ZOI
Mit freundlicher Genehmigung des Autors aus dem Englischen übersetzt von Erik Beckers, DL2KEB Original: http://qrp.pops.net/fetbias.htm
Vorspannung bei JFets und
Verstärkerdesign
W7ZOI, 30 Dez. 2000
Die Arbeitspunkteinstellung ist bei
JFet-Transistoren im
allgemeinen nicht aufwendiger als bei bipolaren Transistoren. In
vielerlei Hinsicht verhalten sie sich grundsätzlich wie Röhren.
Der
Strom, der zwischen Drain und Source des FETs fliesst, wird von der
Spannung zwischen Gate und Source,
Vgs, kontrolliert. (Das ist die Spannung, die man mit einem Voltmeter messen würde, welches zwischen Gate und Source angeschlossen
ist).
Die Schaltung in Bild 1 definiert die Parameter, die man zur Beschreibung des Gleichspannungsverhaltens eines FETs
verwendet. Der 100 Ohm Widerstand wird eingefügt, um UHF-Schwingungen während der Messung zu unterdrücken.
Es wird die Gatespannung V verändert und dabei der Drainstrom gemessen. Das Ergebnis wird anschliessend wie in Bild 1
dargestellt aufgezeichnet. Das Verhalten des FET wird durch die einfache quadratische Gleichung
in Bild 1 beschrieben, sie enthält die zwei für den FET geltenden Parameter IDSS und
VP.
IDSS ist der Drainstrom, der bei einem Kurzschluss des Gates mit der Source fliesst. Die sogenannte
Abschnürspannung (pinch-off voltage),
VP, ist VGS bei einem Drainstrom von nahezu null. Source- und Gatestrom eines FETs sind identisch.

Grundsätzliches Verhalten eine N-Kanal JFet, Verarmungstyp
Die Nummern dienen zur Veranschaulichung der Grundidee.
Der Experimentierende, der einen JFet in einer
Schaltung einsetzen möchte, wird am häufigsten die Methode einsetzen,
die man automatische Vorspannungserzeugung (self biasing) nennt.
Hierbei wird ein Widerstand in die Source-Leitung geschaltet. Das Gate
wird mit Masse verbunden. Der Strom, der durch den FET fliesst, fliesst
auch durch den Widerstand. Dieser Strom
verursacht einen Spannungsabfall, der die Sourcespannung über die des
Gates anhebt, dies
entspricht einer negativen Vorspannung des Gates gegenüber der Source.
Dadurch wird ein Drainstrom eingestellt, der kleiner als
IDSS ist.
Die Drainspannung ist nicht weiter kritisch, weil sie ein paar Volt grösser als die Spannung an der Source
ist.
Die Grösse des Widerstandes wird für einen bestimmten Arbeitspunkt nach Gleichung 1 berechnet, wenn
IDSS und VP
bekannt sind. Jedoch sind diese Parameter selten genau genug angegeben.
Bei dem bekannten Transistor J310 zum Beispiel werden nur Bereiche
angegeben:
IDSS liegt zwischen 24 und 60 mA und VP liegt zwischen -2 und -6,5 Volt.

Mit der Schaltung aus Bild 2 können IDSS und VP
bei einem bestimmten FET leicht gemessen werden. Die Schaltung wird mit
verschiedenen Werten für den Source-Widerstand aufgebaut und die
Sourcespannung wird mit einem hochohmigen Voltmeter gemessen. Die
Abschnürspannung nimmt bei einem hohen Widerstandswert RS von ca. 100 Kiloohm den
negative Wert der Sourcespannung an. (Gemeint ist hier wohl nicht der negative,
sondern der kleinste Wert der Sourcespannung, diese entspricht Vp,
Anmerkung des Übersetzers). Schliesst man die Source mit einem Amperemeter gegen Masse kurz, so kann man
IDSS direkt ablesen. Durch diese einfache Messung stehen uns genug Daten zur Verfügung, um den Arbeitspunkt des FETs einzustellen.

Das Experiment wurde mit einem 2N54545 aus der Grabbelkiste durchgeführt, es ergaben sich die Parameter
IDSS=11mA und VP=-2,8V.
Mit diesen Parametern wurde die Spannungsgleichung nach Bild 1
gezeichnet, zu sehen in Bild 3. Zusätzliche Punkte wurden nachgemessen,
es ergaben sich Punkte, die nahe an der berechneten Kurve lagen.

Daten und geglätteter Kurvenverlauf des gemessenen 2N5454.
Dieser FET hat eine Abschnürspannung von 2,8V und einen IDSS von 11 mA
Dieser Aufwand sollte praktisch bei jedem FET betrieben
werden, den der Experimentator einsetzen möchte. Es reicht nicht aus, die Daten für einen bestimmten
FET-Typ nachzuschlagen, obgleich man einigermassen übereinstimmende Werte erwarten kann, wenn
es sich um Bauteile aus der selben Charge des Herstellers handelt.
Weiter oben wurde bereits der J310 mit seinem IDSS-Bereich von 24 bis
60 mA erwähnt.
Mit einem Streubereich von 2,5:1 ist dieser noch einer der besseren unter den allgemein erhältlichen Bauteilen.
Dagegen streut der früher sehr bekannte MPF-102 bezüglich IDSS im Verhältnis
10:1 (2 bis 20 mA), und VP liegt zwischen -0,5 und -7,5 Volt! Diese Bauteile sollten ganz klar mit
äusserster Vorsicht eingesetzt werden. Es sind gute Bauteile für den
Hochfrequenzbetrieb , aber zwei MPF-102 werden einander wohl kaum gleichen.
Der nach Bild 3 ausgemessene FET soll in einem Verstärker verwendet werden, und
man möchte den Arbeitspunkt auf 5 mA einstellen. Der Punkt bei 5 mA wird aus der Grafik übernommen, und
entspricht einer Spannung VGS
von circa 0,9 Volt. Aus 0,9 Volt Spannungsabfall bei 5 mA ergibt sich
ein Widerstand von 180 Ohm. Verwendet man die Gleichung 1, so ergibt
sich ein Widerstand von 182 Ohm. Der Arbeitspunkt bei 5 mA ist in Bild
3 gestrichelt dargestellt.
Hat man den Arbeitspunkt eines FETs eingestellt, so kann er in einem
Kleinsignalverstärker verwendet werden. Der wichtigste Parameter, der
die Verstärkung des Transistors angibt, ist die Steilheit (engl.
transconductance), die sich nach Gleichung 2 berechnen lässt. Die
Steilheit ergibt sich aus dem Strom eines Signals im Drain, der sich
mit der am Gate angelegten Spannung ändert. (die Steilheit hat die
Einheit A/V, also Strom pro Änderung der Spannung, in Datenblättern
wird diese in mS bzw
µmhos angegeben, 1000 µmhos entspricht 1 mS, Anm.d.Ü.) Beachte, dass
die Steilheit
gM vom Strom des Arbeitspunktes abhängig ist. Die in den Datenblättern angegebene Steilheit
gM entspricht dem Wert bei Betrieb des Transistors bei Idss.


Diese Daten wurden in unserer Beispiel-Verstärkerschaltung verwendet, um die Steilheit zu ermitteln.
Setzt man die ermittelten Daten für den 5 mA Arbeitspunkt in Gleichung 2 ein, so ergeben sich die Daten in Bild 4.
Ein Verstärker entsprechend Bild 5 wird als Puffer für eine
Oszillatorschaltung verwendet. Dabei wird angenommen, der Ausgang des
Oszillators
liefere eine Spannung von 1 Volt Spitze-Spitze. Diese Spannungsänderung
am Gate des FET führt dazu, dass ein Strom von 5,33 mA Spitze-Spitze
fliesst. Der Übertrager besteht aus 15 Windungen primär in der
Drainleitung und 3 Windungen sekundär auf einem Amidon FT37-43
Ringkern. Dieses Verhältnis der Windungszahlen transformiert die an der
Sekundärwindung angelegten Last von 50 Ohm zu einer 1250 Ohm Last in
der Drainleitung. Ein Strom von 5,3 mA Spitze-Spitze erzeugt eine
Spannung von 6,25 Volt Spitze-Spitze. Liegt kein Einganggssignal an, so
liegt die Drainspannung bei 11 Volt, positive und negative Auslenkung
der Spannung um 3 Volt führen also nicht zu einer Spannungsbegrenzung.
Der Strom
schwankt um den 5 mA Arbeitspunkt, nach unten bis ungefähr 3 mA (immer
noch grösser als null) und nach oben bis ungefähr 8 mA, also immer noch
kleiner als Idss. Das Signal an der 50 Ohm Last wird durch den Übertrager auf 1.33 Volt Spitze-Spitze transformiert.
Das sind ungefähr +6 dBm, genug Leistung, um einen Dioden-Ringmischer zu betreiben. Diese einfache Schaltung
stellt einen sehr nützlichen Verstärker mit niedrigem Rauschen und hoher
Effizienz dar.

Verstärker in Sourceschaltung, Arbeitspunkt 5 mA Drainstrom
Bild 6 zeigt einen FET Verstärker, bei dem eine
aufwendigere Arbeitspunkteinstellung verwendet wird. Hier wird nun eine
negative Spannungsversorgung
verwendet, und der Widerstand, über den der Arbeitspunkt eingestellt
wird, muss sich hier wie eine Konstantstromquelle verhalten. Mit dieser
Methode können verschiedene FETs mit unterschiedlichen Parametern
verwendet werden, wenn der Arbeitspunkt für
Id<Idss-min eingestellt wurde. (Mit Idss-min
ist wohl der kleinste auftretende Wert für
Idss gemeint, Anmerkung des Übersetzers)

Verstärker mit aufwendigerer
Arbeitspunkteinstellung. Der Arbeitspunkt dieses Verstärkers liegt bei
5 mA, und die Leistungsfähigkeit entspricht der des Verstärkers aus
Bild 5, aber hierbei ist eine Selektierung der Bauteile nicht unbedingt
notwendig.
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